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      Feministische Mädchenarbeit          mit Pferden

Mädchen liegend auf Lif


Seit fünfzehn Jahren bieten wir Mädchenseminare mit Pferden im Rahmen unserer feministischen Mädchenarbeit mit Pferden an. Unserer Meinung nach bietet das Pferd als 'Ver - Mittler' zwischen den zwei Prinzipien, den männlichen und den weiblichen Aspekten des Lebens, die Möglichkeit, den Mädchen eine Gleichwertigkeit dieser beiden Aspekte zu vermitteln und hier einen Ausgleich zu schaffen. Dies ist die Zielperspektive unseres Projektes.
Wesentlich ist in unseren Kursen die Gruppenarbeit und die sich daraus ergebenden Methoden. Daneben arbeiten wir neben dem Reiten mit verschiedenen Medien und Materialien, die es den Mädchen ermöglichen, sich kreativ auszudrücken.

Folgende Aspekte sind uns bei unserer Arbeit besonders wichtig :


Körpererleben und Lebenslust

Wir sehen das Reiten in diesem Zusammenhang nicht unter dem Gesichtspunkt der Leistung und des Vergleiches, sondern unter dem des Körpererlebens auf dem Pferd. Uns geht es hierbei zB. um Rhythmus spüren, sich der Bewegung spielerisch anpassen und sich tragen lassen.
Damit sich die Mädchen auf dem Pferd ganz auf sich selbst konzentrieren können, muss ein Maximum an Sicherheit vorhanden sein, deshalb führt das andere Mädchen das Pferd der Reiterin bei diesen Übungen und übernimmt ausdrücklich die Verantwortung für das Pferd, zusätzlich können die Praktikantinnen bei Bedarf noch sichernd mitgehen.
Jedes Mädchen trägt dabei bewusst auch für sich selbst die Verantwortung. Es muss genügend Zeit sein, in Ruhe alles auszuprobieren. Dies kann auch die Pferde bis an ihre Grenzen fordern, sie müssen dementsprechend dafür ausgesucht werden.


Maedchenkurs 1998Emma-Mobil 2006




Führung, Durchsetzungsvermögen, Selbstbewusstsein

Der Umgang mit Pferden erfordert Mut und Selbstbewusstsein, das Pferd zu führen und sich ihm gegenüber durchzusetzen.  Die Führung für ein Pferd zu übernehmen, bedeutet für die Mädchen, sich selbstbewusst zu entscheiden, was sie mit dem Pferd tun wollen und dies dann auch ggfls. gegen den Willen des Pferdes durchzusetzen und das Pferd davon zu überzeugen, dass es das 'Richtige' mitmacht.
Die Ausbildung und der Charakter der Pferde muss daher so fein sein, dass sie auf kleinste Signale der Mädchen reagieren und diese umsetzen können.
Die Mädchen sollen sich ohne 'Bedrohung' ausprobieren können. Wir erklären Mimik und Gestik der Pferde und erzählen von ihren Gewohnheiten, um den Mädchen die Angst zu nehmen und die Pferde für die Mädchen 'berechenbarer' zu machen, damit sie jederzeit ihre Situation einschätzen lernen können, um danach zu handeln.
Folgerichtig lernen die Mädchen erst mit dem Pferd vom Boden aus zu arbeiten und die Rangordnung zu klären, erst dann steigen sie auf.
Nicht zuletzt wollen wir den Mädchen vermitteln, dass es Spaß machen kann, sich (mit einem Pferd) zu streiten !
Bodenarbeit

Grenzerfahrungen, -erweiterungen

Das Risiko, den Boden unter den Füßen zu verlieren und sich auf den Umgang mit dem großen Lebewesen Pferd einzulassen - das kostet Mut.
Uns kommt es hierbei vor allem darauf an, dies die Mädchen bewusst erleben und entscheiden zu lassen, ihnen immer wieder vor Augen zu halten, dass sie es selbst in der Hand haben, den nächsten Schritt zu wagen oder es lieber zu lassen und ihr eigenes 'Tempo' zu finden.
Unbedingte Voraussetzungen für solche Arbeit ist eine sehr gute Zusammenarbeit zwischen dem Pferd und mir als Reitpädagogin.
Methodisch bedeutet dies kleine Schritte ins Wagnis 'Reiten' und den Umgang mit dem Pferd, z.B. erst Führen, dann Reiten, oder erst den gehaltenen Huf auskratzen, dann selbst halten und auskratzen.
Dazu gehört auch, immer wieder die Möglichkeit zu bieten, sich dafür oder auch dagegen zu entscheiden, etwas Neues auszuprobieren.
Deshalb ist es unsere Aufgabe, Schutzräume zu bieten, in denen Grenzen bewusst erlebt und akzeptiert werden können, z.B. in der Ovalbahn oder im Round Pen unter der Anleitung der Reitpädagogin traben oder galoppieren zu lernen.

Mia auf Garret


Gemeinschaft, Solidarität, Freundschaften erleben

 Wir arbeiten ganz bewusst mit einer Gruppe von Mädchen und einer Gruppe von Pferden. Über das Gruppen- /Herdenverhalten der Pferde, z.B. Rangordnung beim Fressen, Drohen, Spielen und Toben, Beschützen und Bewachen der 'rangniedrigeren' durch die 'ranghöheren' Pferde, etc. kommen wir mit den Mädchen ins Gespräch.
Über das Beobachten und Vergleichen können sie ihre Rolle in der Gruppe, in Freundschaften und in der Familie reflektieren, z.B. indem sie als 'Rangniedrige' in der Herkunftsfamilie sich in der Mädchengruppe eher als 'ranghöher' erleben, können sie neue Erfahrungen sammeln.
Für die meisten Mädchen ist es leichter im Schutz der geschlechtshomogenen Gruppe neue Erfahrungen zu machen. Die Gruppe unterstützt dabei die Einzelne.


Mädchen unter sich...Mädchenferienkurs




Einheit Mensch - Tier, Naturbezug, Achtung voreinander 
und vor dem Tier, Verantwortung für das Tier

Wir alle verleben in diesen Seminaren den größten Teil der Zeit zusammen – im Stall und draußen in der Natur. Auf dem Hof leben neben den Pferden noch andere Tiere, zB. unsere Hündinnen.
Mädchen suchen und finden relativ schnell über den Umgang mit dem Pferd Bezug zur Natur. Gerne übernehmen viele von ihnen die Pflege und Versorgung der Pferde, denn sie ist ihnen manchmal wichtiger als das Reiten selbst.
Die Mädchen sollen die Tiere möglichst vom morgendlichen bis abendlichen Füttern erleben, beim Misten und im sonstigen Umgang mit ihnen und beim Reiten.
Je zwei Mädchen übernehmen mit unserer Unterstützung die Verantwortung für den Zeitraum des Seminars für 'ihr' Pferd, d. h. achten darauf, daß ihr Pferd genug zu trinken und zu fressen hat, daß kleine Wunden versorgt werden, etc.
Das Putzen dient als Kontaktaufnahme, nicht als 'Säuberungsakt', die Mädchen werden aufgefordert, zu beobachten, wo und was dem Pferd angenehm oder unangenehm oder kitzelig ist.
Und schließlich gehen wir möglichst viel mit den Mädchen und den Pferden ins Gelände; es ermöglicht eher, daß die Mädchen sich mit dem Pferd als Teil der Natur erleben können.
Katrin und MagnusPicknick Fun 2005Fun 2005




Reflexion der eigenen Rolle als Mädchen

"Hottehü war von Anfang an dick und es sah anders aus, als die anderen... Er hatte einen ziemlich kleinen Körper, der dazu noch dick war... Er probierte abzunehmen, aber es gelang ihm nicht. Seine Eltern waren sehr angesehene Pferde. Sie waren nie stolz auf ihn. Nach ihrer Meinung machte er alles falsch... Als die anderen schon schliefen, dachte er daran, irgendetwas zu machen, damit seine Eltern stolz auf ihn sein konnten..." Antje, 13 Jahre
In den Vorstellungen der Mädchen, wie Pferde am liebsten leben würden oder wie sie leben müssen, spiegelt sich oft ihre eigene Geschichte, versteckte Träume und Wünsche, aber auch manchmal massive Ängste. Über diese Projektionen und ihr behutsames Bewusstmachen entdecken die Mädchen ihre eigene Rolle und ihre Lebenssituation neu und/oder anders, als sie sich bisher wahrgenommen haben. Methodisch geben wir diesem Aspekt eine besondere Bedeutung.
Wir arbeiten mit den Mädchen mit verschiedenen Materialien zu diesem Thema, indem wir Bilder malen, Geschichten schreiben und mit Ton arbeiten.

Mira auf MaymisAuf der Kutsche...Mädchen mit Freya



Unser Angebot und die Rahmenbedingungen unserer Arbeit...

Wir bieten interessierten Mädchengruppen und Institutionen der Mädchenarbeit die Möglichkeit in Kooperation mit uns Mädchenpferdeseminare zu veranstalten – je nach Absprache, von einem Schnuppertag bis zu einer mehrtägigen Ferienfreizeit.
Es können max. 12 Mädchen an einem Mädchenpferdeseminar teilnehmen.
Wir vom Hof arbeiten in einem Team, bestehend je nach Gruppengröße aus drei bis sechs Frauen. Die Leitung hat die Reittherapeutin Anne Christoph. Sie wird unterstützt von zwei bis fünf Praktikantinnen, die mit den Pferden und dem Ablauf auf dem Hof vertraut sind.
Uns stehen vierzehn Pferde zur Verfügung, davon neun Islandpferde, zwei Shetlandponies und drei Highlandponies. Sie leben in zwei Herden ( Stuten und Wallache getrennt ) im Offenstall mit angrenzender Weide.
Zwölf von ihnen arbeiten als Reit-/Fahrpferde mit, daneben gibt es eine ‚Frührent- nerin' und ein Jungpferd, die noch nicht oder nicht mehr mitarbeiten.
Es gibt einen Reitplatz und einen RoundPen, sowie direkt an den Hof angrenzendes unbegrenztes Ausreit- und -fahrgelände.
Das Hofteam gestaltet mit den Mädchen den Tag von 10.00 Uhr bis ca. 17.00 Uhr mit zwei Pferdeeinheiten. Den Rest der Zeit verbringen die Mädchen mit ihren Betreuerinnen.
Die Gruppen können bei uns auf der Obstbaumwiese zelten und müssen sich selbst versorgen. Ihnen steht ein Badezimmer, sowie ein Aufenthaltsraum, ein Kühlschrank und eine Spüle zur Verfügung.

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