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Feministische Mädchenarbeit
mit Pferden

Seit neunzehn Jahren bieten wir Mädchenseminare mit
Pferden im Rahmen unserer feministischen Mädchenarbeit mit
Pferden an. Unserer Meinung nach bietet das Pferd als
'Ver - Mittler' zwischen
den zwei Prinzipien, den männlichen und den weiblichen
Aspekten
des Lebens, die Möglichkeit, den Mädchen eine
Gleichwertigkeit dieser beiden Aspekte zu vermitteln und hier einen
Ausgleich zu schaffen. Dies ist die Zielperspektive unseres Projektes.
Wesentlich ist in unseren Kursen die Gruppenarbeit und die sich
daraus ergebenden Methoden. Daneben arbeiten wir neben dem Reiten mit
verschiedenen Medien und Materialien, die es den Mädchen
ermöglichen, sich kreativ auszudrücken.
Folgende
Aspekte sind
uns bei unserer Arbeit besonders wichtig :
Körpererleben
und Lebenslust
Wir sehen das Reiten in diesem Zusammenhang nicht unter dem
Gesichtspunkt der Leistung und des Vergleiches, sondern unter dem des
Körpererlebens auf dem Pferd. Uns geht es hierbei zB. um
Rhythmus
spüren, sich der Bewegung spielerisch anpassen und sich tragen
lassen.
Damit sich die Mädchen auf dem Pferd ganz auf sich selbst
konzentrieren können, muss ein Maximum an Sicherheit vorhanden
sein, deshalb führt das andere Mädchen das Pferd der
Reiterin
bei diesen Übungen und übernimmt
ausdrücklich die
Verantwortung für das Pferd, zusätzlich
können die
Praktikantinnen bei Bedarf noch sichernd mitgehen.
Jedes Mädchen trägt dabei bewusst auch für
sich selbst
die Verantwortung. Es muss genügend Zeit sein, in Ruhe alles
auszuprobieren. Dies
kann auch die Pferde bis an ihre Grenzen fordern, sie müssen
dementsprechend dafür ausgesucht werden.
Führung,
Durchsetzungsvermögen, Selbstbewusstsein
Der Umgang mit Pferden erfordert Mut und Selbstbewusstsein, das Pferd
zu führen und sich ihm gegenüber durchzusetzen.
Die
Führung für ein Pferd zu übernehmen,
bedeutet für
die Mädchen, sich selbstbewusst zu entscheiden, was sie mit
dem
Pferd tun wollen und dies dann auch ggfls. gegen den Willen des Pferdes
durchzusetzen und das Pferd davon zu überzeugen, dass es das
'Richtige' mitmacht.
Die Ausbildung und der Charakter der Pferde muss daher so fein sein,
dass sie auf kleinste Signale der Mädchen reagieren und diese
umsetzen können.
Die Mädchen sollen sich ohne 'Bedrohung' ausprobieren
können.
Wir erklären Mimik und Gestik der Pferde und erzählen
von
ihren Gewohnheiten, um den Mädchen die Angst zu nehmen und die
Pferde für die Mädchen 'berechenbarer' zu machen,
damit sie
jederzeit ihre Situation einschätzen lernen können,
um danach
zu handeln.
Folgerichtig lernen die Mädchen erst mit dem Pferd vom Boden
aus
zu arbeiten und die Rangordnung zu klären, erst dann steigen
sie
auf.
Nicht zuletzt wollen wir den Mädchen vermitteln, dass es
Spaß machen kann, sich (mit einem Pferd) zu streiten !
Grenzerfahrungen,
-erweiterungen
Das Risiko, den Boden unter den Füßen zu verlieren
und sich
auf den Umgang mit dem großen Lebewesen Pferd einzulassen -
das
kostet Mut.
Uns kommt es hierbei vor allem darauf an, dies die Mädchen
bewusst
erleben und entscheiden zu lassen, ihnen immer wieder vor Augen zu
halten, dass sie es selbst in der Hand haben, den nächsten
Schritt
zu wagen oder es lieber zu lassen und ihr eigenes 'Tempo' zu finden.
Unbedingte Voraussetzungen für solche Arbeit ist eine sehr
gute
Zusammenarbeit zwischen dem Pferd und mir als Reitpädagogin.
Methodisch bedeutet dies kleine Schritte ins Wagnis 'Reiten' und den
Umgang mit dem Pferd, z.B. erst Führen, dann Reiten, oder erst
den
gehaltenen Huf auskratzen, dann selbst halten und auskratzen.
Dazu gehört auch, immer wieder die Möglichkeit zu
bieten,
sich dafür oder auch dagegen zu entscheiden, etwas Neues
auszuprobieren.
Deshalb ist es unsere Aufgabe, Schutzräume zu bieten, in denen
Grenzen bewusst erlebt und akzeptiert werden können, z.B. in
der
Ovalbahn oder im Round Pen unter der Anleitung der
Reitpädagogin
traben oder galoppieren zu lernen.
Gemeinschaft,
Solidarität, Freundschaften erleben
Wir arbeiten ganz bewusst mit einer Gruppe von
Mädchen und
einer
Gruppe von Pferden. Über das Gruppen- /Herdenverhalten der
Pferde,
z.B. Rangordnung beim Fressen, Drohen, Spielen und Toben,
Beschützen und Bewachen der 'rangniedrigeren' durch die
'ranghöheren' Pferde, etc. kommen wir mit den Mädchen
ins
Gespräch.
Über das Beobachten und Vergleichen können sie ihre
Rolle in
der Gruppe, in Freundschaften und in der Familie reflektieren, z.B.
indem sie als 'Rangniedrige' in der Herkunftsfamilie sich in der
Mädchengruppe eher als 'ranghöher' erleben,
können sie
neue Erfahrungen sammeln.
Für die meisten Mädchen ist es leichter im Schutz der
geschlechtshomogenen Gruppe
neue Erfahrungen zu machen. Die Gruppe unterstützt dabei die
Einzelne.
Einheit
Mensch - Tier, Naturbezug, Achtung voreinander
und
vor dem Tier, Verantwortung für das Tier
Wir alle verleben in diesen Seminaren den größten
Teil der
Zeit zusammen – im Stall und draußen in der Natur.
Auf dem
Hof leben neben den Pferden noch andere Tiere, zB. unsere
Hündinnen.
Mädchen suchen und finden relativ schnell über den
Umgang mit
dem Pferd Bezug zur Natur. Gerne übernehmen viele von ihnen
die
Pflege und Versorgung der Pferde, denn sie ist ihnen manchmal wichtiger
als das Reiten selbst.
Die Mädchen sollen die Tiere möglichst vom
morgendlichen bis
abendlichen Füttern erleben, beim Misten und im sonstigen
Umgang
mit ihnen und beim Reiten.
Je zwei Mädchen übernehmen mit unserer
Unterstützung die
Verantwortung für den Zeitraum des Seminars für 'ihr'
Pferd,
d. h. achten darauf, daß ihr Pferd genug zu trinken und zu
fressen hat, daß kleine Wunden versorgt werden, etc.
Das Putzen dient als Kontaktaufnahme, nicht als
'Säuberungsakt',
die Mädchen werden aufgefordert, zu beobachten, wo und was dem
Pferd angenehm oder unangenehm oder kitzelig ist.
Und schließlich gehen wir möglichst viel mit den
Mädchen und den Pferden ins Gelände; es
ermöglicht eher,
daß die Mädchen sich mit dem Pferd als Teil der
Natur
erleben können.
Reflexion
der eigenen Rolle als Mädchen
"Hottehü war von Anfang an dick und es sah anders aus, als die
anderen... Er hatte einen ziemlich kleinen Körper, der dazu
noch
dick war... Er probierte abzunehmen, aber es gelang ihm nicht. Seine
Eltern waren sehr angesehene Pferde. Sie waren nie stolz auf ihn. Nach
ihrer Meinung machte er alles falsch... Als die anderen schon
schliefen, dachte er daran, irgendetwas zu machen, damit seine Eltern
stolz auf ihn sein konnten..." Antje, 13 Jahre
In den Vorstellungen der Mädchen, wie Pferde am liebsten leben
würden oder wie sie leben müssen, spiegelt sich oft
ihre
eigene Geschichte, versteckte Träume und Wünsche,
aber auch
manchmal massive Ängste. Über diese Projektionen und
ihr
behutsames Bewusstmachen entdecken die Mädchen ihre eigene
Rolle
und ihre Lebenssituation neu und/oder anders, als sie sich bisher
wahrgenommen haben. Methodisch geben wir diesem Aspekt eine besondere
Bedeutung.
Wir arbeiten mit den Mädchen mit verschiedenen Materialien zu
diesem Thema, indem wir Bilder malen, Geschichten schreiben und mit Ton
arbeiten.
Unser
Angebot und die Rahmenbedingungen unserer Arbeit...
Wir bieten interessierten Mädchengruppen und Institutionen der
Mädchenarbeit die
Möglichkeit in Kooperation mit uns
Mädchenpferdeseminare zu veranstalten – je nach
Absprache, von einem
Schnuppertag bis zu einer mehrtägigen Ferienfreizeit.
Es können max. 12 Mädchen an einem
Mädchenpferdeseminar teilnehmen.
Wir vom Hof arbeiten in einem Team, bestehend je nach
Gruppengröße aus drei bis sechs Frauen. Die Leitung
hat die
Reittherapeutin Anne Christoph. Sie wird unterstützt von zwei
bis
fünf Praktikantinnen, die mit den Pferden und dem Ablauf auf
dem
Hof vertraut sind.
Uns stehen fünfzehn Pferde zur Verfügung, davon neun
Islandpferde, drei Shetlandponies und drei Highlandponies. Sie leben in zwei Herden (
Stuten und Wallache getrennt ) im Offenstall mit angrenzender Weide.
Zwölf von ihnen arbeiten als Reit-/Fahrpferde mit, daneben
gibt es eine
‚Frührent- nerin' und ein Jungpferd, die
noch nicht
oder nicht
mehr mitarbeiten.
Es gibt einen Reitplatz und einen RoundPen, sowie direkt an den Hof
angrenzendes unbegrenztes Ausreit- und -fahrgelände.
Das Hofteam gestaltet mit den Mädchen den Tag von 10.00 Uhr
bis
ca. 17.00 Uhr mit zwei Pferdeeinheiten. Den Rest der Zeit verbringen
die Mädchen mit ihren Betreuerinnen.
Die Gruppen können bei uns auf der Obstbaumwiese
zelten und müssen sich selbst versorgen. Ihnen steht ein
Badezimmer, sowie ein Aufenthaltsraum, ein Kühlschrank und
eine Spüle zur Verfügung.
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